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Online-Ausgabe der Vereinszeitschrift
61. Jahrgang · Ausgabe 1 · Januar / Februar 2015

Unsere Monatsveranstaltungen
Einladung zur Jahreshauptversammlung
Bilker Heimatfreunde: Jahresrückblick 2014
Der Bilker Astronom Wilhelm Luther
Karneval in Bilk: In Bilk ist der Karneval zu Hause
Karneval in Bilk: Friedhelm Riegel – 40 Jahre dem Karneval verbunden
Karneval in Bilk: 1946/47 – Der Karneval erwacht wieder
Termine im Bürgerhaus Bilk (Salzmannbau) im Januar
Termine im Bürgerhaus Bilk (Salzmannbau) im Februar
Termine des Westdeutschen Autorenverbandes im Januar und Februar
Besinnliches zur Adventszeit bei den Bilker Heimatfreunden
Pate der Freude 2014
Zum Titularfest 2015: Das kann sich sehen lassen!
Nachbarschaftsleben der Fritz-Reuter-Straße
Staatsbesuch des äthiopischen Kaisers Haile Selassie in Deutschland
Buchempfehlung von Martina Biermann
Leseinsel u Historische Postkarte des Düsseldorfer Hafens im Jahre 1908
Falsch abgebogen?
Tag der Opfer des Faschismus am 27.01.2015
Viele Köche verderben den Brei
Et kütt wie et kütt! – Uere Madet Joht
Redaktionsschluss-Termin für die Sternwarte März/April 2015


Auf unserer Titelseite:

Rosenmontagszug 1957, Foto: Jürgen Fuhrmeister
Foto links: Die Spedition Küchler, Foto: Firma Franz J. Küchler
Das Helferteam bei „Pate der Freude“, Foto: Martina Biermann
Der Kunstmaler Friedhelm Riegel, Foto: privat








Die Bilker Heimatfreunde:
Jahresrückblick 2014

Von Erich Pliszka

Liebe Heimatfreunde, verehrte Leserinnen und Leser,

vor einiger Zeit wurde ich gefragt, ob ich eine bestimmte E-Mail am Sonntag gelesen hätte. Meine Antwort lautete nein. Im Normalfall mache ich in den seltensten Fällen sonntags oder feiertags meinen Rechner an.

Das stieß bei dem Fragesteller auf vollkommenes Unverständnis: Einen oder vielleicht zwei Tage ohne Internet – geht das?

Ja, das geht ohne weiteres, selbst einen mehrwöchigen Urlaub lang. Dabei erinnere ich mich an einen Artikel in der Rheinischen Post vom 26./27. Juli 2014 von Philipp Holstein mit der Überschrift: „Im Netz des Konsums – Im Internet wird jeder Mensch zum Konsumenten. Die Konzerne kennen seine Vorlieben und sehen sein Verhalten voraus. Für die Intimsphäre gibt es keine Firewall“.

In diesem Artikel beschreibt der Autor sehr anschaulich und für mich beängstigend, wie die großen Konzerne das Verhalten der Internetnutzer nachverfolgen, auswerten und wie selbstverständlich ausnutzen. Das gesamte Kaufverhalten der Internetkäufer wird in irgendeiner Form registriert und weiterverfolgt.

Nichts, aber auch wirklich nichts, bleibt da verborgen. Wenn wir uns heute Gedanken über eine Videoüberwachung in Bussen und Bahnen oder an Straßen machen und uns darüber aufregen, aber zur gleichen Zeit beim Onlinehandel unsere Sachen bestellen und rund um die Welt E-Mails, etc., versenden, verstehe ich die Aufregung über eine Videoüberwachung nicht mehr. Eric Schmidt, früherer Google-Chef, sagte vor einigen Jahren: „Wenn Sie planen, etwas zu tun, das geheim bleiben soll, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie es wirklich tun.“

Auch ich bestelle Dinge über das Internet, auch ich versende SMS und Mails, aber ich bin mir auch im Klaren darüber, dass auch mit meinen Daten wirtschaftliche Interessen irgendwo und irgendwie im Netz verbunden werden. Mit diesem Wissen ist mir eine Videoüberwachung in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens nicht mehr unheimlich.

Wenn Sie, verehrter Leser, bei Google surfen, finden Sie auch meinen Namen mit vielen Beiträgen im Netz und wie selbstverständlich finden Sie auch unsere „Bilker Sternwarte“ im Internet und auf unserer Homepage. Es gehört heute dazu, die Aktivitäten, Veranstaltungen und Publikationen eines Vereins zu veröffentlichen und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

So können Sie auf unserer Homepage alle unsere Veranstaltungen finden und seit geraumer Zeit auch die Bilker Sternwarte im „Netz“ lesen. Unsere monatlichen Veranstaltungen sind im vergangenen Jahr, wie auch in den davor liegenden Jahren, sehr gut besucht worden.

Das spornt an und verlangt von uns weiter solch hochkarätige Referentinnen und Referenten einzuladen. Der Monat Januar begann mit einem Vortrag von Frau Dr. Zacher. Sie referierte über ein Thema, das den Bilker Heimatfreunden sehr am Herzen liegt. Thema ihres Vortrages war „Das Grabmal von Johann Friedrich Benzenberg auf dem Golzheimer Friedhof.“ In einem sehr wissenschaftlichen Beitrag konnte uns Frau Dr. Zacher ausführlich über die Gestaltung des Grabmals und der damit verbundenen Zusammenhänge unterrichten.

Rechtsanwalt Michael Bürger, Vorstandsmitglied der Bilker Heimatfreunde, hatte sich im Monat Februar für viele Zuhörer ein hochbrisantes Thema als Vortrag ausgesucht: „Fürs Kümmern in die Pflicht genommen“. Patientenverfügung und Vorsor- gevollmacht. Die anschließenden Fragen nach dem Vortrag zeigten, dass wir mit diesem Thema genau den Nerv der anwesenden Besucher getroffen hatten.

Im März fand satzungsgemäß unsere Jahreshauptversammlung statt. Die zu wählenden Personen Erich Pliszka, Präsident, Toni Feldhoff, Geschäftsführer und Udo Figge, Schatzmeister, wurden, wie zu erwarten, in ihren Ämtern bestätigt. Dr. Christian Leitzbach stand aus beruflichen Gründen nicht mehr für das Amt des Schriftleiters zur Verfügung. An dieser Stelle nochmals vielen Dank, lieber Christian, für Deine hervorragende Arbeit. Durch das Ausscheiden von Dr. Leitzbach wurde eine Ergänzungswahl erforderlich. Die anwesenden, stimmberechtigten Mitglieder wählten auf Vorschlag des Vorstandes Frau Susanne Garn einstimmig zur neuen Schriftleiterin. Wir wünschen Frau Garn für die Leitung der Bilker Sternwarte alles Gute und viel Erfolg. Ich persönlich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit im Redaktionsteam.

Als letzter Tagesordnungspunkt wurde die Neufassung der Satzung des Bilker Heimatvereins vorgelegt und beschlossen.

Der Monat April stand im Zeichen der Berufsfeuerwehr Düsseldorf. Marc Vogel, Pressesprecher und hauptberuflicher Feuerwehrmann, hielt einen sehr beachtlichen Vortrag über die Aufgaben und Ziele der Feuerwehr. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Feuerwache 4 wurden die Heimatfreunde eingeladen, an diesem Fest teilzunehmen.

Manfred Hebenstreit, Vorstandsmitglied der Derendorfer Jonges und der AGD, entführte uns im Monat Mai in seinem Vortrag „Vom Dorf zur Großstadt – 725 Jahre Düsseldorf“ in die Geschichte unserer Vaterstadt. Dabei zeigte er uns sehr anschaulich, wie sich dieses Dorf an der Düssel in den vergangenen Jahrhunderten entwickelt hat.

„Das Stadtarchiv der Landeshauptstadt Düsseldorf – Das Gedächtnis unserer Stadt“, unter diesem Titel konnten wir im Monat Juni Dr. Benedikt Mauer, Leiter des Düsseldorfer Stadtarchivs, bei den Bilker Heimatfreunden willkommen heißen. Die anwesenden Damen und Herren waren über die anscheinend unendlichen Regalkilometer ebenso überrascht wie über die von Dr. Mauer dargestellten Archivarien.

Ein Höhepunkt unserer Veranstaltungen war der Besuch des Stadtdirektors der Landeshauptstadt Düsseldorf, Herr Manfred Abrahams, im August. „Schuldenfrei auch in Zukunft – ein lohnenswertes Ziel“ war der Titel seines Vortrages. Eindringlich wies er die Anwesenden auf die Vorteile der Schuldenfreiheit unserer Stadt hin. Er zeigte aber auch auf, wie schwierig es geworden ist, diese Schuldenfreiheit, die der Stadt viel Planungsfreiheit erlaubt, zu behaupten.

Am 29. September konnten wir den Heimatfreund und Mundartforscher Heinrich Spohr begrüßen. Er stellte uns sein „Wörterbuch der Düsseldorfer Mundart“ vor. Mit vielen Beispielen, die natürlich bis in die heutige Zeit reichen und auch teilweise unbewusst gesprochen werden, brachte er uns unsere Muttersprache wieder ein Stück näher.

Wem Gott will rechte Gunst erweisen…, so fängt ein altes Wanderlied an und so stand unser Veranstaltungsabend im Oktober unter dem Titel „Wanderungen in und um Düsseldorf“. Frau Ludigs und ihr Mann brachten uns an Hand von vielen wunderschönen Fotos die Umgebung unserer Landeshauptstadt näher. Unter dem Wanderzeichen Weißes D auf schwarzem Grund „Der Düsseldorfer Weg“, kann man in Etappen ganz um Düsseldorf herumwandern. Dabei öffnen sich für den Wanderer ungeahnte Perspektiven in der Landschaft und natürlich auch viele gute Einkehrmöglichkeiten.

Im November fand der letzte Veranstaltungsabend des Jahres für unsere Mitglieder und Gäste statt. Als Gast konnte ich an diesem Abend Pater Athanasius von der Franziskaner Bruderschaft in Düsseldorf begrüßen. Pater Athanasius, ein Bilker Junge, sagte sofort freudig zu, bei den Bilker Heimatfreunden einen Vortrag zu halten. Der Zeit angepasst lautete der Titel seines Vortrages „Besinnliches und Nachdenkliches über die Monate November und Dezember“.

Fasziniert lauschten, so muss man wohl die absolute Stille im Saal nennen, die Anwesenden Heimatfreunde und Gäste den Worten Pater Athanasius zu diesem Thema. Er sprach die besinnlichen Tage im November an und vergaß selbstverständlich nicht die Adventzeit und die Weihnachtsfeiertage zu erwähnen.
Über diesen Abend lesen Sie bitte den ausführlichen Artikel von unserem Heimatfreund Holger Hutterer.

Schon traditionsgemäß fand unsere Veranstaltung Pate der Freude am 13. Dezember im Saal der Evangelischen Friedens- Kirchengemeinde statt. Für die Möglichkeit, diese Veranstaltung, die es seit 1957 gibt, dort ausführen zu können, bei der der Heimatverein Vereinsmitglieder, Altenheime und Bürgerinnen und Bürger über 70 Jahre einlädt, darf ich mich ganz herzlich beim Presbyterium der Friedenskirche und ihren Pfarrerinnen und Pfarrern bedanken. Diese Veranstaltung ist für unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger seit vielen Jahren ein fester Bestandteil ihres Terminkalenders.
Unsere Kuratorin für Pate der Freude, Martina Biermann, hatte mit der großen Helferschar aus unserem Verein wieder den Saal der Kirchengemeinde hervorragend geschmückt und hergerichtet. Bei Kaffee und Kuchen der Firma Josef Hinkel und natürlich auch einem Glas Bier, das die Füchschen Brauerei sponserte, wurde den Anwesenden dazu ein ansehnliches, kleines Festprogramm geboten. So konnten wir das Veranstaltungsjahr des Heimatvereins mit dieser letzten Veranstaltung und mit den glücklichen Gesichtern der Gäste und auch der Helfer ausklingen lassen.

Lassen Sie mich noch ein Wort zur Renovierung und Neugestaltung unseres Archivs sagen. Wir befinden uns auf der Zielgeraden mit unseren selbstgestellten Aufgaben. Die Archivräume, ich habe es bei der Scheckübergabe der Stadtsparkasse schon gesagt, werden ein wunderschönes museales Archiv hergeben. Die großzügige Gestaltung der Räume hat den Vorteil, dass der Blick des Besuchers nicht mit überladenen Wänden und vollen Räumen getrübt wird, sondern dass gut ausgehangene und dargestellte Exponate den Blick der Besucher gefangen halten. Es ist natürlich noch einiges zu tun, aber wir hoffen, wenn die Lichtinstallation abgeschlossen ist, dass wir dann mit Sponsoren, Freunden, Helfern und Mitgliedern eine gute Eröffnung feiern können.

Für das Jahr 2015 haben wir uns wieder sehr viel vorgenommen. Die ersten Referenten sind bereits verpflichtet und ich führe mit einigen „Hochkarätern“ vielversprechende Gespräche.

Unsere Vereinszeitschrift „Die Bilker Sternwarte“ können Sie jetzt auch im Internet bewundern und die erschienenen Artikel nachlesen. Auch dort sind wir auf einem guten Weg.

Ich hoffe und wünsche, dass Sie, liebe Mitglieder, verehrte Leserinnen und Leser, unserem Heimatverein und unserer Bilker Sternwarte treu bleiben und uns mir Ihren Ideen beflügeln und somit dazu beitragen, dass wir, die Bilker Heimatfreunde, unseren Stadtteil mitgestalten können.



Der Bilker Astronom Wilhelm Luther
und die fotografische Himmelsdurchmusterung
„Carte du Ciel“

Von Michael Geffert

Viele Jahre lagerten im Bilker Heimatmuseum über 30 Mappen mit Sternkarten, von denen kaum jemand so genau wusste, was die Herkunft und Bedeutung dieser Karten war. Da diese Karten jetzt als Leihgabe nach Bonn zur Sammlung Historischer Himmelsaufnahmen gekommen sind, soll in diesem Artikel einmal ein wenig das Geheimnis der unbekannten Sternkarten und ihre Bedeutung für die Astronomie in Bilk gelüftet werden.

Himmelsdurchmusterungen

Wer in einer klaren Nacht in ländlichen Regionen oder im Urlaub den Sternhimmel mit bloßem Auge betrachtet, wird von der Zahl der Sterne überwältigt sein. Und wenn man dann noch ein Fernglas zu Hilfe nimmt, dann wächst die Zahl der Sterne für einen Beobachter des Sternhimmels ins Unermessliche. Ähnlich erging es den Astronomen des 19. Jahrhunderts und es entstand der dringende Wunsch nach einem Sternverzeichnis, in dem wenigstens die helleren Sterne alle katalogisiert waren. Der Bonner Astronom Friedrich Wilhelm Argelander (1799 – 1875), der übrigens sehr gute Beziehungen zu dem Bilker Astronomen Robert Luther unterhielt, erfüllte mit der „Bonner Durchmusterung“ den Astronomen in aller Welt diesen Wunsch, indem er in 11 Jahren über 325.000 Sterne auf 48 Sternkarten erfasste.

Historisches Foto aus dem Jahr 1892,
Collection MAAS, Sydney Observatory


Die im Bilker Museum gelagerten Sternkarten stammen aber von einem anderen Projekt: Ende des 19. Jahrhunderts erschloss sich für die Astronomen mit der Fotografie eine neue Welt. 1887 wurde in Paris der Beschluss gefasst, den ganzen Sternhimmel mit einem Teleskoptyp zu fotografieren und die Karten allen Astronomen zur Verfügung zu stellen.

Verwendet wurde ein Linsenteleskop mit 33 cm Öffnung und 3.5 Metern Brennweite, was auch der Länge des Rohres entspricht. Da das Projekt, das heute unter dem Namen „Carte du Ciel“ bekannt ist, so umfangreich erschien, verteilte man die Arbeit auf neunzehn Observatorien in der ganzen Welt. Und trotzdem war das Unternehmen vermutlich zu ambitioniert.

Erst nach 1900 wurden die ersten Zonen fertig und das Gesamtprojekt endete unvollständig im Jahre 1958. Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass in Düsseldorf-Bilk nur Wilhelm Luther diese Karten benutzt haben kann und es erklärt mindestens zum Teil, warum der Kartensatz nicht vollständig ist.

Fernrohr der „Carte du Ciel“

Mit Fernrohren dieses Typs, die in neunzehn Observatorien in aller Welt standen, wurden die Aufnahmen zu den Sternkarten, die im Bilker Museum lagerten, hergestellt. Das Bild zeigt das entsprechende Fernrohr aus Melbourne.

Wilhelm Luther

Wilhelm Luther wurde 1860 als Sohn des Astronomen Robert Luther in Düsseldorf geboren. Nach Studium in Leipzig, Tätigkeit in Bonn und Hamburg, kehrte er nach Düsseldorf zurück und übernahm im Jahre 1900 die Leitung der Bilker Sternwarte. Wilhelm Luther war ein beobachtender Astronom und widmete sich der visuellen Beobachtung vor allem von kleinen Planeten, die sich ja zwischen Mars und Jupiter auch um unsere Sonne bewegen.

Sternkarte, gefunden im Archiv der Bilker Heimatfreunde

Und genau für diese Tätigkeit waren die Sternkarten der „Carte du Ciel“ sehr wichtig! Auch wenn wir heute schon durch die Raumfahrtmission Bilder von einigen kleinen Planeten kennen, so waren diese Objekte für die Astronomen der damaligen Zeit nicht mehr als ganz normale Sterne. Der einzige Unterschied bestand darin, dass sie sich allmählich durch die anderen Sterne hindurch bewegten und deswegen als neue Lichtpunkte in einem Sternfeld zu sehen waren. Wollte man solche Objekte vermessen, musste man mit Hilfe von guten Sternkarten den neuen „Sternpunkt“ erst einmal finden. Dann konnte die eigentliche Arbeit am Objekt beginnen!

Die Sternkarten der „Carte du Ciel“

Eine der Sternkarten aus der Bilker Sammlung ist unten abgebildet. Man erkennt deutlich, dass die Karten Negative sind, d. h. die Sterne erscheinen als schwarze Punkte auf weißem Untergrund.

Ausschnitt einer Sternkarte der „Carte du Ciel“

Damit Astronomen sich besser am Sternhimmel zurechtfinden, haben sie ein Koordinatensystem am Himmel festgelegt, das ganz analog zur Erdkugel an der Himmelskugel geographische Länge und Breite festlegt. Diese Winkel sind oben auf jeder Karte (AR und D) angegeben. Außerdem wurde bei jeder Aufnahme noch ein Gitter mit belichtet, um die genaue Position der Sterne ermitteln zu können.

Ausschnitt einer Sternkarte der
„Carte du Ciel“, gefunden im Archiv der Bilker Heimatfreunde

Jede Karte zeigt nur einen kleinen Himmelsausschnitt: Hält man den Daumen am ausgestreckten Arm in Richtung des Sternhimmels, so deckt dieser in etwa das Feld ab, was auf einer Karte zu sehen ist. Um den ganzen Himmel zu erfassen, bräuchte man 10.000 solcher Karten. Da auch bei präzisestem Arbeiten immer mal Verunreinigungen entstehen konnten, bediente man sich eines besonderen Verfahrens, um die Sternbilder eindeutig auf den Karten identifizieren zu können.

Die Abbildung rechts zeigt einen kleinen Ausschnitt aus der Karte oben, jetzt als Negativ. Deutlich erkennt man, bei den schwachen Sternen, dass es für jeden Stern drei Bilder auf der Aufnahme gibt. Der Beobachter belichtete jede Fotoplatte dreimal, wobei er zwischen den Aufnahmen das Fernrohr etwas versetzte. Jeder Stern erhielt auf diese Weise auf der Aufnahme eine dreifache Struktur, die es leicht machte, Verunreinigungen von Sternen zu trennen.

Die Sternkarten der „Carte du Ciel“ waren in der Zeit von Wilhelm Luther die besten Vergleichskarten für die visuelle Beobachtung! Sie waren neben den Teleskopen das wichtigste Hilfsmittel bei der Beobachtung von kleinen Planeten und veränderlichen Sternen. Heute werden in der Astronomie modernere Versionen der fotografischen Himmelsdurchmusterungen aus den letzten 50 Jahren verwendet. Die großen Teleskope „finden“ ihre Objekte natürlich schon lange mittels Steuerung durch Computer.

Die „Sammlung Historischer Himmelsaufnahmen“ der Bonner Universität

Die Sternkarten aus Bilk, die Wilhelm Luther bei seinen Beobachtungen verwendete, werden derzeit erst einmal in der Bonner Sammlung mit untergebracht. Nach der Schließung der Eifelsternwarte bei Schalkenmehren/Daun wurden alle fotografischen Aufnahmen des Observatoriums nach Bonn gebracht und dienen jetzt dem Aufbau einer Universitätssammlung. Hinzu kommen historische Geräte und Fernrohre, die Beobachtungstagebücher von Julius Schmidt (1825 – 1884), der 1845 in Bilk gearbeitet hatte. Es ist das Ziel der nächsten Jahre, mit der Sammlung die Erinnerung an die Bonner Astronomie und deren Verbindungen z. B. auch nach Bilk und Düsseldorf wachzuhalten.



Titelthema: Karneval in Bilk

Karnevalistische Bilker Adressen

In Bilk ist der Karneval zu Hause
Von Jürgen Fuhrmeister

Wenn der Hoppeditz jedes Jahr am 11.11. um 11.11 Uhr auf dem Düsseldorfer Marktplatz vor dem Rathaus aus dem Senftöpfchen steigt und nach seiner närrischen Ansprache die Karnevalszeit einläutet, wenn anschließend das närrische Volk die umliegenden Gassen überflutet und die Gastwirtschaften erstürmt, dann meint man, die Düsseldorfer Altstadt sei der Nabel des Düsseldorfer Karnevals.

Man irrt, wie die Rheinische Post vor zwei Jahren anhand einer Statistik festgestellt hat. Sie hat im November 2012 eine Liste des Comitees Düsseldorfer Carneval e. V. (CC) ausgewertet, die 61 Düsseldorfer Gruppen der organisierten Karnevalisten mit ihren Geschäftsstellen aufzählt. Diese verteilen sich auf 31 Düsseldorfer Stadtteile. Danach war Bilk mit 9 Nennungen einsamer Spitzenreiter. Abgeschlagen waren Derendorf und Eller mit jeweils 4 und Gerresheim, Oberbilk und Wersten mit jeweils 3 Vereinen. 10 Stadtteile hatten jeweils 2 närrische Stützpunkte. 15 Stadtteile begnügten sich mit jeweils einer närrischen Adresse.

Wenn wir den Narrenspiegel, das offizielle Magazin des CC für die Session 2013/14, Seite 148 ff. aufschlagen, finden wir unter der Überschrift „Adressen und Telefonverzeichnis“ 71 Vereine, also 10 Vereine mehr als zwei Jahre zuvor. Aber Spitzenreiter ist nach wie vor der Stadtteil Bilk geblieben. 2012 wurde irrtümlich die Karnevalsgesellschaft (KG) Elf vom Niederrhein 1932, Oberbilker Allee 32 (Friedrichstadt), Bilk zugeschlagen und der Sitz des Allgemeinen Vereins der Karnevalsfreunde Düsseldorf 1829 e. V. ist inzwischen verlegt worden nach Alt-Niederkassel.

Während der Session 2013/2014 sind folgende 7 Vereine in Bilk beheimatet gewesen: die KG Die Düsseldorfer, Uedesheimer Straße 47; die Karnevalsfreunde der Katholischen Jugend Düsseldorf, Mühltaler Straße 45; die Tanzgarde der Karnevalsfreunde der Katholischen Jugend Düsseldorf e. V., Mühltaler Straße 45; der Prinzenclub der Landeshauptstadt Düsseldorf e. V., Merkurstraße 11; das Literarische Komitee Düsseldorf, Am Botanischen Garten 3; das Düsseldorfer Narrencollegium, Volmerswerther Straße 169; die Zugleitung e. V. 1961, Brachtstraße 11. Zählt man aus Unterbilk die Düsseldorfer Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß-Gold, Fürstenwall 132 und die KG Närrische Marktfrauen e. V., Gladbacher Str. 39 dazu, kann man sagen: Mit neun Karnevalsvereinen ist der Karneval in Bilk zu Hause.

Zumindest in der ernsteren Zeit zwischen den Sessionen. Die Idee, den Sessionsbeginn in Bilk zu feiern, stoße beim CC-Präsidenten auf keine Gegenliebe. Der Hoppeditz erwache weiter vor dem Rathaus, schrieb die Rheinische Post 2012 und zitierte Josef Hinkel: „Das Herz des Karnevals ist die Altstadt mit ihrer venezianisch-rheinischen Atmosphäre.“ Wir fügen hinzu: „ … und mit dem CC im Haus des Karnevals, Zollstraße 9 als einzigem närrischen Standort in Stadtmitte.“

Bilk kann sich rühmen, mindestens zwei karnevalistische Urgesteine beherbergt zu haben. Sie lebten viele Jahre in unserem Stadtteil. Heute leben sie am Rande von Bilk. Wenn sie aus dem Fenster schauen, dann können sie über die Straße, und damit über die Stadtbezirksgrenze inmitten der Straße hinweg, ihren Bilker Nachbarn zuwinken. Sie berichten in dieser Ausgabe der Bilker Sternwarte über ihr bewegtes Leben im Düsseldorfer Karneval.


Titelthema: Karneval in Bilk

Bilker Adressen: Merkurstraße 55

Friedhelm Riegel
40 Jahre lang dem Karneval verbunden


Von Jürgen Fuhrmeister


Friedhelm Riegel als Altbierbotschafter auf dem Roten Platz
Foto: Verein Deutsch-Russische
Freundschaft Düsseldorf – Moskau e.V.
Die Sternwarte war mit Friedhelm Riegel, den das Magazin „Schlossturm“ der St.-Sebastianus-Schützen von 1316 in seiner Festausgabe 2/2014 als Altbierbotschafter und Kunstmaler vorgestellt hat, zu einem Gespräch verabredet. Bevor wir zu dem verabredeten Termin kamen, fanden wir im Briefkasten einen Waschzettel, auf dem Riegel seine Herkunft, sein erfülltes Berufsleben und seinen unruhigen aber genussvollen Ruhestand schriftlich darstellte. So kamen wir zu dem Gespräch und hatten die Antworten auf unsere noch nicht gestellten Fragen schon Schwarz auf Weiß in der Hand. Wir konnten uns die Fragen ersparen und führten eine lange spannende Unterhaltung. Dabei lernten wir einen Menschen kennen, der gern auf sein aktives Leben im Beruf zurückblickt, in dem er erfolgreich war, in dem er Menschen Freude bereiten und Menschen in Not helfen durfte und in dem er selbst die Welt bereisen und kennenlernen konnte. Lesen wir zunächst, was er über seine Anfänge schrieb und uns noch ausführlicher erzählt hat:

Junges Glück im Karneval –
das spätere Ehepaar Riegel
Foto: privat

„Am 13. Mai 1935 wurde ich in Oberbilk geboren, groß geworden bin ich in Bilk. Wir wohnten zwischen 1941 und 1959 in der Merkurstraße 55, nach meiner Hochzeit am Anfang der Aachener Straße. Ich erlernte zwei Berufe. Ich absolvierte die Gesellenprüfung als Maler und Anstreicher und besuchte die Werkkunstschule in Wuppertal mit Schwerpunkt auf Grafik, Aktzeichnen, Perspektivzeichnen und Farblehre. Diese verließ ich mit der Gesellenprüfung für Schaufensterwerbegestalter, meinem zweiten Beruf, in dem ich mehrere Jahre lang die Schaufenster von Apotheken dekoriert habe.“

Ende 1960 stieg er in eine ganz andere Berufssparte ein: „Ich wurde für die Brauerei Gatzweiler Repräsentant in Deutschland und war in dieser Funktion in der ganzen Welt unterwegs, in Japan, Amerika, Israel, England, Frankreich, Spanien, Schweden, Schweiz, Österreich, usw. Mein Aufgabenbereich erstreckte sich auf Werbung und auf die Betreuung von Veranstaltungen des Brauchtums.
Und damit war ich nicht nur Altbierbotschafter, sondern auch Botschafter für die Stadt Düsseldorf weltweit.“ Und dies war wohl auch sein Einstieg in das Winterbrauchtum, dem er 40 Jahre lang treu blieb.


Manfred Breuckmann und Friedhelm Riegel
Foto: privat
Wie wir beim Durchblättern eines seiner Fotoalben feststellten, war Friedhelm Riegel schon mit 18 Jahren in der Düsseldorfer Bürgerwehr aktiv als Betreuer der Kinderbürgerwehr. Das verriet uns ein Foto von 1953, das den Schützen Riegel zeigt, der ein Tanzmariechen herzt. Ob beide damals schon wussten, dass sie mal ein Paar werden?

„Ich organisierte und moderierte verschiedene Veranstaltungen und baute Rosenmontagswagen, machte Bühnendekorationen und trat in unzähligen Karneval ssitzungen auf. Daneben produzierte ich fünf Langspielplatten und etliche Singles mit eigenen Texten. Meine Single ‚Rang, zang, zang‘ diente als musikalische Untermalung für das Fußballett. Das war ein witziger Einspieler in die Sportschau der ARD, den Manfred Selge aus Köln ab der Fußballweltmeisterschaft 1974 mit Hilfe der gerade aufgekommenen Zeitlupenmaschine (Anschaffungspreis 400.000,00 DM) mit Vor- und Rücklauftasten produziert hat. Gemeinsam mit Manni Breuckmann moderierte ich beim WDR sieben Jahre den Rosenmontagszug, davon 1994 unter dem Motto ‚Da lacht und tanzt die Welt in Düsseldorf‘ auch im Fernsehen.“ Unser Foto zeigt das Moderatorenpaar in der Sprecherkabine vor dem Rathaus.

Seine ganz persönliche Schöpfung war die Auftaktveranstaltung zur fünften Jahreszeit: Die Weiberfastnacht auf dem Karlplatz (damals noch mit K geschrieben und ohne s), für die Möhnen der wichtigste Tag im Jahr. Wie es dazu gekommen ist, schilderte er einmal lässig der Rheinischen Post: „Ist mehr so aus der Lamäng entstanden. Ein Mikrophon, zwei Lautsprecher, einen Verstärker. Mehr hatten wir nicht.“ Er selbst habe sich einfach in den Brunnen gestellt und ein bisschen Programm gemacht. Er moderierte und die Musik kam vom Band. „Das lief dann wie von selbst.“


Michael Gorbatchow und das Ehepaar Riegel
Foto: privat
Zusammen mit den Marktbeschickern wurde ein Programm auf die Beine gestellt. Die Möhnen tanzten und schunkelten. Danach gingen sie auf die Jagd nach den Schlipsen der Männer und sie bevölkerten die Kneipen der Altstadt. Friedhelm Riegel, der sich keinem der etablierten Vereine ganz verschrieben hatte, konnte nicht ahnen, wie sich dieses Unternehmen entwickeln wird. Anfangs kamen nur wenige Narren, dann gehörte es zum guten Brauch, an diesem Tag in die Altstadt zu pilgern, aus der ganzen Stadt und aus dem Umland. Darunter bunt kostümierte Marktfrauen, die sowieso nichts verkaufen konnten, denn ihre mobilen Verkaufsstände mussten den Platz verlassen.

Mit den Jahren wurden die Bühnen immer größer, die technische Ausrüstung vollkommener. Es kamen prominente Karnevalskünstler, z. B. der Hamburger Peter Beil („Blaue Augen, rote Lippen …“) und aus Köln Lotti Krekel. Selbstverständlich machten auch Prinz und Venetia ihre Aufwartung. Alles wurde argwöhnisch aus der Ferne beäugt von etablierten Karnevalsvereinen. Irgendwann stiegen die Kosten ins Unermessliche. Das Unternehmen war privat nicht mehr zu stemmen. Anfang 2000 übergab Riegel die Moderation an seine Tochter Anja. Drei Jahre später stieg der Allgemeine Verein der Karnevalsfreunde 1829 ein, der viele Jahre in Bilk zu Hause war.


Friedhelm Riegel (Mitte) vor der Antonow-Frachtmaschine
Foto: Verein Deutsch-Russische
Freundschaft Düsseldorf – Moskau e.V.
„Neben Malen waren Reisen und Singen meine großen Leidenschaften. Darin konnte ich mich ausleben, nachdem mich Hapag Lloyd 1972 als Entertainer auf einem Kreuzfahrtschiff engagierte. Aus einer Fahrt wurden über 30 Kreuzfahrten, jeweils in meinem normalen Urlaub. Dabei habe ich 70 Länder bereist und war auf allen Kontinenten.“ Reisen durfte Riegel auch in humanitärer Mission, als Albert H. Bitter, Verleger und Herausgeber des TOPMagazins (Lifestyle Magazin) starke Männer suchte, die Hilfstransporte nach Russland begleiten sollten. Dies unter dem Dach des Vereins „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“, aus dem ein Jahr später die „Deutsch Russische Freundschaft Düsseldorf- Moskau e. V.“ entsprang. Zu den Ehrenmitgliedern des Vereins gehört auch Michael Gorbatchow, der letzte sowjetische Staats- und Parteichef, den zusammen mit seiner Ehefrau Raissa die Eheleute Riegel anlässlich eines Essens kennenlernten.

Unter den Angeworbenen befand sich neben einem Blumenhändler, Spediteuren und Ärzten auch ein Brauereibotschafter, der für das leibliche Wohl der Mannschaft sorgen sollte. Letzterer, Friedhelm Riegel aus Düsseldorf, begleitete seit 1989 für viele Jahre Hilfstransporte nach Moskau, zunächst für die Kinderklinik Nr. 9 und dann für andere Kranken- und Waisenhäuser. Er begleitete 1989 den 1. Lufttransport mit Hilfsgütern nach Moskau von deutschem Boden aus in einer alten Antonow-Frachtmaschine, einem mächtigen Brummer, der 272 Europaletten fassen konnte.


Friedhelm Riegel der Kunstmaler in Aktion
Foto: privat
Bis 1996 wurden in die Düsseldorfer Patenstadt Moskau Hilfsgüter im Wert von etwa 24,8 Millionen DM transportiert, darunter ein kompletter Operationssaal, medizinische Geräte, Medikamente, Baby-Nahrung, Spielzeug und natürlich Schokolade für die Kinder bei jedem Transport. Für seinen humanitären Einsatz erhielt Friedhelm Riegel aus der Hand von Johannes Rau den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland am Bande verliehen.

Seit 14 Jahren genießt Friedhelm Riegel, der Altbierbotschafter aber auch Entertainer, Wohltäter, Kunstmaler, seinen wohlverdienten Ruhestand. Er malt in seinem kleinen Atelier im Keller Düsseldorfer Stadtlandschaften, von denen viele in Kanzleien und Geschäftsräumen ihre Wand gefunden haben. Aber er ist dem Winterbrauchtum weiter verbunden. Bis 2015 will er noch den alljährlichen Prinzenempfang, den er seit 1962 in der Brauerei und später im „Schlüssel“ gab, durchführen. Dabei machen Prinzenpaare aus elf Städten der Region in Düsseldorf ihre Aufwartung. Nach dem Gespräch setzte Friedhelm Riegel den Schlusspunkt, während wir vor einer Weltkarte standen, auf der all seine Reisen aufgezeichnet sind: „Und ein Traum wurde für mich wahr. Auf den Traumschiffen Queen Mary und Queen Victoria fuhr ich noch einmal über die Weltmeere. Und ganz zum Spaß hatte ich meine Auftritte. Ganz privat.“


Titelthema: Karneval in Bilk

Bilker Adressen: Germaniastraße 34

1946/47 – Der Karneval erwacht wieder

Von Ruth Riegel


Onkel Franz und Onkel Fränzchen
Foto: privat
Bei uns zu Hause war immer viel los in der närrischen Zeit. Vater und Opa waren vor dem Krieg schon bei der Bürgerwehr. Ich war noch ein kleines Kind. Wenn die große Kiste mit den Karnevalskostümen aus dem Keller geholt wurde, spätestens dann stieg bei mir die freudige Erwartung. Während Mutter mir ein neues Kostüm nähte, durchkramte ich die Kiste. Holländerin oder Prinzessin, diese beiden Kostüme standen bei mir hoch im Kurs. Mit Mutter, Tanten und meinen Cousinen ging es zum Kinderkarneval zum Café Peters am Rathausplatz. Wir setzten uns brav aber aufgeregt an die Tische. Es wurde gesungen und geschunkelt. Jupp Schäfer von den Unterrather Funken Blau-Gelb, der erste Hoppeditz nach dem Krieg und Autor des Retematäng- Liedes, ging als Schuljunge in die Bütt und erzählte lauter lustige Sachen.

Eine Woche später gingen wir alle zur Kinderbürgerwehr in den Deutzer Hof. Hier konnte man neben allem Anderen auch herumtollen. Einmal ging ein anderer Schuljunge in die Bütt, Jupp Hussels, als Komiker bekannt durch Radiosendungen, aber auch durch propagandistische Auftritte in der Wochenschau der NS-Zeit. Dass schon einige Jahre vor dem Krieg – wenn auch unbeholfen – im Düsseldorfer Straßenkarneval politisiert wurde, zeigt ein Foto auf dem mein Onkel Franz (Bildmitte) aus Saarbrücken posiert vor dem selbst gebauten Auto, in dem mein Onkel Fränzchen am Lenkrad sitzt. Auf dem Transparent steht: Rheinisches Interesse aus dem Saargebiet für die Düsseldorfer Bürgerwehr.

1939 zog der letzte Rosenmontagszug unter dem Motto „Drunter und drüber“ durch die Stadt. Während der Kriegsjahre 1940 bis 1945 wurde Karneval nicht oder nur klein in privatem Kreis gefeiert. Erst ab 1947 stand der Karneval in Düsseldorf wieder unter närrischen Parolen: 1947 „Alles Zirkus“, 1948 „Mir sind widder do“. Der nächste Zug ging erst 1949 unter dem Motto „Närrische Parade“. Erst am Karnevalssonntag durften wir in Kostümen auf die Straße gehen. Alle hatten eine Rolle Luftschlangen bei sich. Die wurden einzeln aufgerollt.


Tanzmariechen Ruth Mitte der 50er Jahre
Foto: privat
Jeder nahm ein Ende in die Hand und wir spannten sie über die Fahrbahn. Wenn ein Auto kam, ließen wir sie los und freuten uns, wenn sie an beiden Seiten des Autos im Wind flatterte. Anderntags ging die ganze Familie – Oma hatte dazu noch Besuch aus Euskirchen oder Saarbrücken – zur Friedrichstraße, um den Rosenmontagszug zu sehen. Opa und Vater gingen ja mit im Zug. Aus einem Lautsprecher erklang Karnevalsmusik und alle sangen begeistert mit. „Der Zug kütt“ und wir sahen ihn schon. Für mich war jedes Mal das Größte die Rollschuhläuferin in ihrem bunten Kostüm, die allerhand Späße mit den Leuten trieb. Als kleines Mädchen konnte ich auch schon Rollschuhfahren und das mit großer Leidenschaft. Schon damals träumte ich davon, einmal im Rosenmontagszug auf Rollschuhen mitzuziehen. Es kam anders.


Der Präsident Schmitze Backes
und die Tanzmariechen Ruth (links) und Micki
Foto: privat
Ich konnte damals noch nicht ahnen, dass ich einmal 11 Jahre lang mit dem Rosenmontagszug mitziehen würde, nicht als Rollschuhfahrerin, sondern als erstes Tanzmariechen der Bürgerwehr nach dem Krieg. 1947 fanden sich die schon aus dem Krieg zurückgekommenen Bürgerwehr- Mitglieder zusammen. Die ersten Sitzungen fanden im Café Bestgen auf der Friedrichstraße statt. Mein Vater kam von einer Sitzung nach Hause, legte mir eine Uniform dahin mit den Worten: „Du bist jetzt Bürgerwehrmariechen.“ Mir verschlug es die Sprache, hatte ich doch nicht die geringste Ahnung, was das sein sollte. Für so was hatte ich mich nie interessiert. Er erklärte es mir kurz und sagte, es dürfe nach den damaligen Vereinsgesetzen nur die Tochter eines Vereinsmitgliedes Tanzmariechen werden. Außer mir war da nur noch Micki.

Da ich aber erst 15/16 Jahre alt war, ging das nur mit einer Sondergenehmigung vom ‚Schmitze Backes‘, unserem Präsidenten, dem Bäckermeister Wilhelm- Franz Schmitz, der die Düsseldorfer Bürgerwehr schon 1936 auf Vordermann gebracht hat. Er als unser Nachbar in der Germaniastraße 31 kannte mich schon als Baby, gab die Genehmigung gerne, nur mein Vater musste mich jedes Mal begleiten. In der Uniform, die man mir gegeben hatte, konnte ich zelten. Kein Problem. Ich machte sie mir passend. Zu der Zeit war die Uniform brav und bieder. Weiße lange Strickstrümpfe, der Rock war wadenlang und am Hals war das Kostüm hochgeschlossen.

Das gefiel mir überhaupt nicht. Aber Schmitze Backes war sehr streng auf Zucht und Ordnung bedacht. Von Zoten frei war die Narretei. Das hatte er sich schon 1936 auf die Fahne geschrieben. Wer sich z. B. als Büttenredner nicht daran hielt, musste sofort die „Bütt“ verlassen. Schmitze Backes war eine dominante und im Karnevalsausschuss mitredende Persönlichkeit.

Ich fand mich in meiner Rolle als Mariechen zurecht. Es wurde eine schöne Zeit und ich lernte viele Menschen kennen, darunter auch den Ministerpräsidenten Karl Arnold, mit dem ich zusammen auf dem Thron saß. Schnell stellte man fest, dass ich mit allen Menschen, ganz

Orden der Blauen
Funken 1870 Köln
Foto: Jürgen Fuhrmeister
gleich, wer und was sie waren, Gespräche führen konnte. Man bat mich, zukünftig die Presse zu betreuen, was ich gerne machte. Daraus entwickelte sich eine langjährige Freundschaft mit Zips, dem Lokalredakteur der Düsseldorfer Nachrichten. Er war ein Urkölner und knüpfte die Verbindung zu den Blauen Funken in Köln.

Die Bürgerwehr wurde 1956 mit Hallo in Köln empfangen. Ich wurde mit Geschenken überschüttet und tanzte mit einem Gardisten auf dem Flügel. Den einen Orden habe ich heute noch. Als bei dem ersten Rosenmontagszug nach dem Krieg der Zug einmal stoppte, holte mich ein junger Mann zum Tanz. Zehn Jahre später haben wir geheiratet. Heute hängen meine Orden neben seinen Orden – natürlich in größerer Anzahl – im Karnevalsmuseum.

Während der Session hatten wir viele Termine. Daneben ging ich noch zur Arbeit. Da waren Sitzungen im Fleher Hof, später im Paulushaus, in umliegenden Orten, in Aachen, Köln, Holland und mit den Kölnern zusammen in Dortmund bei einer WDR-Radio-Übertragung. In Bad Dürkheim traf man sich mit dem Münchener Faschingspaar nebst Gefolge. Im Apollotheater kamen zum 60jährigen Vereinsjubiläum und zu Ehren des kurz zuvor verstorbenen Vereinspräsidenten Schmitze Backes die Bürgerwehr mit Kölner Karnevalisten – den „Vier Botze“ und dem Eilemann- Trio – zu einer Sitzung zusammen. Die Aufzählung könnte noch bis ins Unendliche fortgeführt werden.


Eheleute Riegel im Gespräch mit Raissa Gorbatchowa
Foto: privat

Irgendwann bekamen die beiden- Tanzmariechen – Micki und ich – Verstärkung. Der Schützenchef der Bilker Schützen, Jakob Fasen, kam zu mir und kündigte an, der Bürgerwehr ein Mariechen zu „schenken“. Man überlegte, noch zwei Mariechen dazu anzuwerben. Ich nähte in aller Heimlichkeit die Uniformen, die zugleich modernisiert wurden. Fortan waren wir zu fünft. 1959 war für mich Schluss. Es war eine schöne Zeit, der Krieg war vorbei und alle hatten Nachholbedarf an Fröhlichkeit. Und die haben wir in vollen Zügen genossen.

Heute ist der Karneval anders, kommerziell, manchmal ernster, manchmal lustiger, aber nicht fröhlicher. Gern habe ich in den folgenden Jahren meinen Mann bei seinen Aktivitäten begleitet. Dabei habe ich viele Prominente kennen gelernt, darunter auch Michael Gorbatchow, den ehemaligen Staatspräsidenten der Sowjetunion,und seine Frau Raissa.












Besinnliches zur Adventszeit
bei den Bilker Heimatfreunden


Von Holger Hutterer


Pater Athanasius und
Erich Pliszka hatten ihre Freude
Foto: Holger Hutterer
Traditionell steht die letzte Veranstaltung des Jahres im Vereinslokal immer im Zeichen des nahenden Advents. Diesmal war Pater Athanasius Spies OFM von den Düsseldorfer Franziskanern bei uns zu Gast, sein Thema: „Besinnliches und Nachdenkliches über die Monate November und Dezember“. Sein Blick richtete sich auf die verschiedenen Feier- und Gedenktage, die in diesen Monaten liegen. Aus falsch verstandener Rücksicht auf andere Religionen gab es die Diskussion, beliebte kirchliche Feste umzubenennen. Pater Spies verwies auf die Diskussion, das Martinsfest in „Sonne-Mond-und-Sternefest“ umzutaufen. Dies ist ein Fest der Nächstenliebe und die ist nicht an eine bestimmte Religion gebunden.

Pater Athanasius erwähnte auch die schwere Stunde, die ihm und seinen Mitbrüdern noch bevorstand. Am Sonntag nach unserer Veranstaltung wurde das Franziskanerkloster an der Oststraße für immer geschlossen. Die Gottesdienste finden seitdem in der benachbarten Marienkirche statt.

Baas Erich Pliszka dankte dem Pater für seine aufmunternden Worte und gab danach die Verlosung frei. Wie immer wurden Weckmänner verlost, die die Tischgemeinschaft „Weckmänner“ gestiftet hatte. Die Runde konnte ihr Silberjubiläum feiern, denn sie wurde vor 25 Jahren gegründet. Der Baas gratulierte dazu. Nachdem die Weckmänner verteilt waren, konnte der Abend gemütlich ausklingen.



Pate der Freude 2014

Von Martina Biermann


Das Helferteam 2014
Foto: Martina Biermann
Am Samstag, den 13. Dezember 2014 war es wieder soweit: Die Bilker Heimatfreunde veranstalteten die alljährliche Adventsfeier „Pate der Freude“ für die Bewohner der Altenheime und Bilker über 70 Jahre. Auch in diesem Jahr waren wieder rund 150 Senioren der Einladung in den Saal der Friedenskirchengemeinde gefolgt. Herr Andrey Dinev begleitete uns musikalisch am Flügel.


Die Gäste singen gemeinsam mit dem Kinderchor
Foto: Martina Biermann
Nach der Begrüßung durch den Präsidenten und die Kuratorin wurde fleißig gesungen, bevor der Kinderchor „Cherubim und Seraphim“ auftrat. Im letzten Jahr hatten sie bei uns ihren ersten Auftritt, und nun war nicht nur die Sängerschar angewachsen, sondern auch ihr Programm. Es kam so gut an, dass als Zugabe noch zwei weitere Lieder, und dann – gemeinsam mit allen im Saal – noch einmal „Kling Glöckchen“ gesungen wurde.


Auch der Nikolaus
gab sich die Ehre
Foto: Martina Biermann

Für den zweiten Programm- punkt konnten wir Anja Lautermann (Querflöte) und Kerstin Körfer (Flügel) gewinnen. Die beiden Musikerinnen spielten für uns Bachs Sonate BMW 525-530 e-moll und die Hallenser Sonate e-moll von Georg Friedrich Händel. Im Saal war es mucksmäuschenstill während die Musik erklang, und uns wurde ein sehr stimmungsvolles Programm geboten.

Auch der Nikolaus hatte sein Kommen angesagt und erschien trotz aller Unwägbarkeiten pünktlich. Er wurde mit kräftigem Gesang begrüßt, um dann – traditionsgemäß – unseren beiden ältesten Besuchern ein kleines Präsent zu übergeben und alle mit einer kurzen Geschichte zu erfreuen. Als dann nach der Verlosung der Weihnachtssterne, die uns freundlicherweise die Gärtnerei Kleis gespendet hatte, die Veranstaltung beendet wurde, konnten alle Besucher – gestärkt mit Kaffee und Kuchen und dem einen oder anderen leckeren Gläschen Alt – gegen Abend wieder nach Hause gehen.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Evangelische Friedenskirchengemeinde, die uns den Saal mit der dazugehörenden Ausstattung zur Verfügung stellte, sowie an die Füchschen-Brauerei, die uns ihr leckeres Alt spendete. Ohne die vielen Helfer wäre diese Veranstaltung nicht durchführbar gewesen. Danke!














Zum Titularfest 2015:
Das kann sich sehen lassen!

Von Rene Krombholz


Hier spielt die Musik!
Foto: Rene Krombholz
Mitte Januar werden wieder einige Bilker Anwohner verschlafen aus ihren Fenstern blicken und denken, sie hätten den Winter verschlafen. Die Schützen marschieren, obwohl es kein Sommer ist. Nein! Keine Sorge, Schützen sind das ganze Jahr über aktiv. Vorwiegend mit sozialen Projekten beschäftigt, folgen sie aber auch ihren Traditionen. So zum Beispiel dem Titularfest, das Namensfest des Schutzpatrons Sankt Sebastian.

Mit dem Festgottesdienst in der Martinskirche beginnt dieser Tag. Anschließend geht es unter den Klängen von Trommeln, Trompeten und Fanfaren zum Saal der Friedenskirchengemeinde auf der Florastraße.

„Wir feiern unser Patronatsfest – und nicht nur das!“ – so der erste Chef Hans Dieter Caspers „heute feiern wir gleichzeitig Geburtstag!“

Am 19. Januar genau vor 570 Jahren feierten die Bilker Schützen ebenfalls das Patronatsfest. So ist es der ersten urkundlichen Erwähnung zu entnehmen, auf die sich der Verein als (ältestes nachweisbares) Gründungsdatum beruft.


Auch 2015 wieder: Ehre, wem Ehre gebührt!
Foto: Rene Krombholz
1445, Gutenberg hatte soeben den Buchdruck erfunden, Amerika wurde rund 50 Jahre später entdeckt, von Limburg (Niederlande) über Kleve, Geldern, Soest, Münster und Osnabrück, tobten die Fehden der Reichsstädte und Landesherren. Es waren wirre Kriegszeiten und die Truppen der Herzöge von Geldern standen bedrohlich auf der andern Rheinseite, als sich die Bruderschaft aus der Not heraus gründete. Der Zusammenhalt sollte diese harte Zeit erträglicher machen und die Gemeinschaft des kleinen Bilk (Bilici) nach außen schüt zen (Bürgerwehr).

Auch wenn solche Aufgaben heute nicht mehr relevant sind, so gibt es auch den Schutz ins Innere: Kranke, Arme, Hilflose, Bedürftige, aber auch ethische Werte, verbunden mit vielen Traditionen, sind zu schützen.

Also werden Geburtstag und Titularfest zusammen begangen. Im Laufe der Feierlichkeiten folgen die Bestätigungen neuer Hauptmanns- und Offiziersposten, aber auch Ehrungen. Die zweithöchste Auszeichnung, der Regiments-Verdienstorden, wird an diesem Tage für besondere Leistungen vergeben. Sportliche Erfolge werden vom Sportwart geehrt.

Für vorher benannte Hilfsprojekte wird an diesem Tag gesammelt, um während des Krönungsballs im Herbst mit weiteren Spenden den Empfängern überreicht zu werden.

Ehrenamtlich passiert das alles. Im Durchschnitt ist jeder Ehrenamtliche 17,7 Stunden pro Monat für seinen Verein tätig, so das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft und dem Deutschen Olympischen Sportbund. Bundesweit erbringen die Schützenvereine eine monatliche Arbeitsleistung von rund 4,8 Mio. Stunden.

Daraus resultiert bundesweit eine monatliche Wertschöpfung von rund EUR 72 Mio. bzw. eine jährliche Wertschöpfung von rund EUR 864 Mio. allein durch ehrenamtliches Engagement in den Schützenvereinen. Darüber dürfen sich die Schützen freuen und dann auch mal feiern!



Nachbarschaftsleben der Fritz-Reuter-Straße

Von Susanne Versen


Anwohner der Fritz-Reuter-Straße überreichen das
Spendengeld an Vertreter der Spieloase, ganz rechts die Vorsitzende Gerti Kobarg
Foto: Susanne Versen
Zum vierten Mal trafen sich am 21.11.2014 die Anwohner der Fritz-Reuter- Straße zum Glühweinfest. Was vor 3 Jahren als spontanes Treffen begann, ist inzwischen zum festen Bestandteil des Nachbarschaftslebens geworden.

Wie in jedem Jahr stellte Familie Linden nicht nur den Bereich vor ihrem Haus zur Verfügung, sondern spendete auch den Glühwein. Zusätzlich gab es heißen Kakao und Tee für die Kinder, und zur Freude der Kleinen wurde, mit Unterstützung einiger Mütter, Stockbrot über dem Feuer gebacken. Einige Nachbarn stellten frisch gebackene Plätzchen und Rheinische Hefepfannkuchen bereit.

Bei all dieser Freude wurde nicht vergessen, dass bereitstehende „Schweinderl“ fleißig zu füttern. Die Gemeinschaft der Nachbarn überlegte im Vorfeld, welcher Bilker Einrichtung der Betrag in diesem Jahr zukommen sollte. Es wurden in den vergangenen Jahren u. a. das Café Grenzenlos und die Einrichtung Horizont an der Neusser Straße unterstützt.

In diesem Jahr war der Erlös für die Spieloase-Bilk vorgesehen. Der Betrag von 300,00 E wurde am 02.12.2014 der Vorsitzenden Gerti Kobarg übergeben.



Vor 60 Jahren

Staatsbesuch des äthiopischen Kaisers Haile Selassie in Deutschland

Der Monarch fuhr 1954 auch durch Bilk

Von Wolfgang Reith


Kaiser Haile Selassie 1954 in Deutschland
Foto: Bundesbildstelle

Im November 2014 wurde in weiten Teilen des Rheinlands daran erinnert, dass 60 Jahre zuvor Kaiser Haile Selassie I. von Äthiopien in der Region weilte. Das Besondere an dem Besuch war die Tatsache, dass es der erste offizielle Staatsgast war, den die gerade fünf Jahre alte Bundesrepublik Deutschland empfing.

Am 8. November 1954 traf der Monarch mit Gefolge in Bonn ein, für die drei kommenden Tage wohnte er im Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg. Nachdem er sich zwei Tage lang in der provisorischen Bundeshauptstadt sowie in Köln aufgehalten hatte, kam er am 11. November nach Düsseldorf, wo er am Hauptbahnhof von den Spit zen der Stadt und des Landes begrüßt wurde.

Bald danach ging es weiter nach Krefeld sowie in die Kruppschen Hüttenwerke nach Rheinhausen und zuletzt in die Villa Hügel nach Essen. Die Visite endete am selben Abend mit einem Gala- Empfang auf Schloss Benrath.

Der Großneffe Haile Selassies, Prinz Asfa- Wossen Asserate, der seit 1968 in Deutschland lebt und hier u. a. auch kurzzeitig in Düsseldorf arbeitete, verfasste anlässlich des 60jährigen Jubiläums des Staatsbesuchs seines Großonkels ein Buch mit dem Titel „Der letzte Kaiser von Afrika“, das er am 20. November 2014 auch in Düsseldorf persönlich vorstellte. Zum selben Anlass erschien überdies ein Buch mit dem Titel „Schloss Benrath macht Staat“, das die bisher dort stattgefundenen Empfänge aller Staatsoberhäupter und Regierungschefs in Wort und Bild behandelt, wobei eben der äthiopische Kaiser den Anfang machte.

Der Verfasser dieser Zeilen hat den Besuch des prominenten Staatsgastes seinerzeit in Bilk selbst für einige Momente miterleben dürfen, und das kam so: Ich war damals Schüler der zweiten Klasse der Chr i s t o p h - Steinmeyer- Schule in deren Dependanc e am Reuscherweg (dort waren die beiden ersten Klassen der Schule untergebracht, die Klassen 3 bis 8 hingegen wurden im Gebäude an der Aachener Straße unterrichtet).

Eines Tages erzählte uns unsere Klassenlehrerin, Fräulein (obwohl sie damals schon die sechzig überschritten hatte, legte sie darauf Wert!) G. Schreiber, demnächst werde ein wahrhaftiger Kaiser auf dem Südring entlangfahren, und diesem sollten wir einen gebührenden Empfang bereiten Dazu bekamen wir alle jeweils ein schwarz-rot-goldenes Fähnchen in die Hand, das wir dann bei der Vorüberfahrt des Kaisers vom Straßenrand aus schwenken sollten In Reih und Glied gingen wir von der Schule zum Südring, wo wir aufgeregt auf die Wagenkolonne des Monarchen warteten

Und dann kam sie endlich – schwarze Mercedes- Limousinen des Typs 300, die ich vorher noch nie gesehen hatte Kaiser Haile Selassie I und sein Gastgeber, Bundespräsident Heuss, standen im offenen Cabrio (und das im November!) und winkten den am Straßenrand stehenden Düsseldorfern zu, während wir Kinder mit unseren Fähnchen zurückwinkten Für mich war es das erste große völkerverbindende Ereignis meines damals noch jungen Lebens, das mich nachhaltig geprägt hat

Schließlich kam ich aus einer tief in der Monarchie verwurzelten Familie, wo oft über die guten alten Zeiten im Deutschen Kaiserreich vor 1918 gesprochen wurde Und nun hatte auch ich einen leibhaftigen Kaiser in prunkvoller Uniform gesehen, neben dem das deutsche Staatsoberhaupt in Zivil geradezu blass wirkte Der Jubel der Menschen entlang der Fahrstrecke war auch Ausdruck der Dankbarkeit einem Mann gegenüber – wie mir dann meine Eltern erzählten –, dessen Land u a der notleidenden deutschen Bevölkerung im strengen Winter 1946/47 mit CARE-Paketen geholfen hatte









Falsch abgebogen ?

Von Rene Krombholz

Als Ende November 2014 nahe dem Uni- Gelände eine Straßenbahn entgleiste und zahlreiche Schwerverletzte sofortiger Hilfe bedurften, wurde dieser Unfall von einem Autofahrer (während der Fahrt) gefilmt. Zu erkennen war, dass er seine Fahrt trotz des erkennbaren Unfalls unbeirrt fortsetzte. Tags später tauchte dieses Video im Internet auf und damit die Frage: „Warum hast du nicht gehalten und erstmal erste Hilfe geleistet?“

Es brach ein Sturm der Entrüstung los, allerdings nicht wegen der unterlassenen Hilfeleistung, sondern gegen den Fragesteller! „Für so was ist schließlich die Rheinbahn zuständig.“ – „Standen doch genug andere da!“ – „Warum soll man helfen, wenn man keinen davon kennt?“ – Was soll solch ein Quatsch? Dafür gibt es Polizei und Feuerwehr!“ Den Kommentatoren (meist jüngeren bis mittleren Alters) scheint der Begriff „Hilfsbereitschaft“ ebenso unbekannt, wie die gesetzlich verankerte Pflicht zur ersten Hilfe.

Ähnlich sah es aus, als in den ersten Dezembertagen die Notfallnummern bekannt gegeben wurden, die Hilfe bringen sollen, wenn Obdachlose zu erfrieren drohen. Antwort der Facebookgemeinde einer Düsseldorfer Gruppe: „Jedes Jahr der gleiche Scheiß!“

Dass wir über die Salafisten Gemeinde alle nicht glücklich sind, dürfte unnötig sein zu betonen. Alles, was nicht als „Deutsch“ erkennbar ist, sofort als „Pack“ zu bezeichnen, scheint ein neuer Umgangsjargon zu werden. Wir wissen, dass es aktuell Länder gibt, in denen Menschenrechte keinerlei Gültigkeit besitzen. Wir hören von Folter, von Hunger und Elend, und sind so ignorant um zu fragen: „Was soll das Pack hier!?“ (Originalton Facebook).

Wie gehen Menschen neuerdings miteinander um? Werte wie Hilfsbereitschaft, Rücksicht, Respekt, Verständnis, sind deutlich weniger gefragt. Erfolg, Ellenbogen und Durchsetzungsfähigkeit haben Priorität. Kinder und Jugendliche haben grenzenlose Freiheit gelernt, doch wo bleiben die Pflichten? Sind es nicht gerade die „altmodischen“ Werte, die zwingend notwendig sind, um zu einer funktionierenden Gesellschaft beizutragen?

Letztlich bestimmen wir selber, welcher Werteorientierung wir uns zuwenden. Ob wir weiter im Hamsterrad laufen, um uns unseren vermeintlich wichtigen Lebensstandard mit Mehrfachurlaub, Smartphone und Statussymbolen zu finanzieren, oder ob wir auch mal innehalten. Um uns unseren Mitmenschen zuzuwenden, unseren Kindern und Enkeln beispielsweise.

Das ist vor einigen Jahrzehnten nicht passiert, aus „Schlüsselkindern“ entstand eine Generation, welche nach Werten suchte. „Orientierungsvakuum“ und „Werteverlust“ resümierten die Wissenschaftler – als Freiheit (ohne Verantwortung) sahen es die Anderen. Das war der Übergang zur Konsumgesellschaft, plötzlich reichten die Familieneinkommen nicht mehr für die vielen neuen und verlockenden Angebote. Egal ob Freizeit, Reisen, Multimedia und PC, Handys und Smartphones, unglaublich viele Dinge, die es vorher nicht gab, kosteten jetzt Geld.

Die Berufstätigkeit für beide Ehepartner wurde normal, für die Kinder stand jetzt weniger Zeit zur Verfügung. Niemand hatte den jungen Paaren gesagt, dass die Entscheidung pro Kinder gleichzeitig auch eine Entscheidung zur Einschränkung der eigenen Bedürfnisse ist. Verzichten möchte heute niemand mehr, es ist ein Unwort geworden. Die Folgen erleben wir heute und in den kommenden Jahren.

Stellt sich die Frage: Sind wir auf der „höher, weiter, schneller“ Autobahn hier oder irgendwo unbemerkt falsch abgebogen? Oder sind wir schon entgleist???



Tag der Opfer des Faschismus am 27. 01. 2015

Von Susanne Garn

Am 27 Januar wird in vielen Teilen Deutschlands offiziell der Opfer des Nationalsozialismus gedacht Ein guter Tag, um einen kleinen Teil zum Gedenken beizutragen und die Stolpersteine zu pflegen, die der Künstler Gunter Demnig bisher in Düsseldorf verlegen ließ Die Stolpersteine erinnern an die Namen und das Schicksal derer, die von Nationalsozialisten verschleppt und ermordet wurden Die Stolpersteine werden vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer verlegt, um das Gedenken wach zu halten

Auch die Bilker Heimatfreunde haben die Patenschaft für zwei Stolpersteine übernommen, für Leo Statz und Erich Klausener, die Bilker Sternwarte berichtete in der Ausgabe 6/2014 Wenn Sie auch einen Stolperstein in Ihrer Nähe kennen, dann wäre der 27 Januar ein guter Tag, um diesen mit ein bisschen Messingpolitur zum Glänzen zu bringen Vielleicht legen Sie noch eine Blume dazu oder stellen eine Kerze auf? So machen Sie auch andere auf diesen besonderen Stein und das Schicksal dieses besonderen Menschen aufmerksam

http://www.bilker-heimatfreunde.de/sternwarte06-14.html#s-4 Weitere Informationen zu den Düsseldorfer Stolpersteinen erhalten Sie bei der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf:
www gedenk-dus de/stolpersteine html.



Viele Köche verderben den Brei

Von Jeff

Zum Anfang ein Witz mit langem Bart: Fragt der Mathelehrer einen ehemaligen Schüler, der vor ihm aus einer Limousine mit Chauffeur aussteigt, wovon er denn lebe „Ja wissen Sie“, antwortet dieser „Ich kaufe T-Shirts für 4,– EUR und verkaufe sie für 9,– EUR weiter Von diesen 5 Prozent lässt sich‘s gut leben “ Über diesen Sparwitz in verschiedensten Fassungen musste sich wohl schon jeder einmal einen mühevollen Lacher abringen, um nicht unhöflich zu erscheinen

Die Rheinische Post lieferte eine neue Version dieses Kalauers.
Lachen kann der Chronist auch darüber nicht Nur den Kopf schütteln In der Überschrift eines Vierspalters verkündete die RP in der Stadtpost am Nikolaustag prominent platziert: Taxipreise sollen um 30 Prozent steigen Dann berichtete sie, dass am Rande einer Ratssitzung durch Verkehrspolitiker bekannt wurde, dass der Verkehrsausschuss in seiner nächsten Sitzung über eine Vorlage abstimmen werde, nach der eine durchschnittliche Taxi-Fahrt in Düsseldorf (fünf Kilometer) rund 30% teurer wird

Eine Beispiel- Berechnung, die die Regeln der Prozentrechnung allerdings missachtet, sollte das verdeutlichen „Der Kilometerpreis steigt demnach von 1,90 auf 2,20 Euro “

Man sollte hoffen, dass die Verkehrspolitiker vor ihrer Entscheidung die Rechnung genau nachprüfen Dann würden sie merken, dass die Preissteigerung um 0,30 EUR einem Prozentsatz von 15,79% entspricht
Auch noch zu viel, aber korrekt errechnet Nicht korrekt rechneten die drei Autoren, die an diesem 64-Zeiler gearbeitet haben Es bewahrheitet sich der Spruch: „Viele Köche verderben den Brei “











Impressum

Die Bilker Sternwarte

Herausgeber: Heimatverein Bilker Heimatfreunde e.V. - Präsident Erich Pliszka
Neusser Strasse 44, 40219 Düsseldorf , Telefon 0211/391564, E-mail:erich.pliszka@arcor.de

Redaktion: Susanne Garn

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in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder

Satz und Druck: Strack + Storch, Satz und Offsetdruck
Gladbacher Straße 15, 40219 Düsseldorf, Postfach 260407, 40097 Düsseldorf
Telefon 912084-0, Telefax 912084-5, E-mail info@strack-storch.de

Anzeigenverwaltung: Willi Heinen

Der Bezugspreis der "Bilker Sternwarte" ist im Jahresbeitrag enthalten

Die "Bilker Sternwarte" erscheint alle zwei Monate



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