Mehr als nur ein Archiv in Bilk

Mehr als nur ein Archiv in Bilk

Die Mitarbeiter der Heimatfreunde sind in erster Linie eins: eine Gemeinschaft. Zusammen ermöglichen sie, dass die Vergangenheit sichtbar bleibt. Bei ihnen findet man Asteroiden-Aufzeichnungen und Senf-Geschichte.

Die Mitglieder der Bilker Heimatfreunde arbeiten an der Pflege und dem Ausbau des Archivs.

 Versteckt in einem Hinterhof an der Himmelgeister Straße 73 liegt ein Ort, an dem sich Bilk Schicht für Schicht erzählen lässt. Wer durch das unscheinbare Metalltor geht, steht plötzlich vor dem kleinen Backsteinhaus des Hermann-Smeets-Archivs der Bilker Heimatfreunde. Es ist ein kollektives Gedächtnis: Kisten voller Fotografien, Ordner mit vergilbten Dokumenten,

handschriftliche Aufzeichnungen, Ausstellungsstücke in Vitrinen und große Büchersammlungen.

Dass all das seinen Platz findet, liegt an den Menschen, die hier arbeiten. Hille Krause, die Archivarin, hält die Fäden zusammen, koordiniert die Arbeit und beschäftigt sich mit den Inhalten des Archivs. Toni Feldhoff bringt als Geschäftsführer und Ehrenvorstandsmitglied der Bilker Heimatfreunde Ordnung in Abläufe. Außerdem ist er Experte für den Gründer Hermann Smeets. Manfred Währisch kümmert sich um die technische Seite – damit alte Inhalte auch in neuen Formaten bestehen können. Holger Hutterer arbeitet sich als Mitar- beiter tief in historische Zusammenhänge ein, recherchiert und ordnet ein.

Margit Schirwinski organisiert ebenfalls und hilft, genauso wie die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Gisela Möhle und Reinhild Lüpken.

Vieles stammt direkt aus dem Viertel. „Jeder, der eine Idee hat oder Erinnerungen an Bilk, soll zu uns kommen“, sagt Archivarin Krause. Das Archiv versteht sich nicht als abgeschlossenen Ort, sondern als offenes Projekt. Es gibt monatliche Treffen, bei denen über Themen diskutiert wird, und wöchentliche Archivbesuche. Auf Anfrage auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten.„Irgendwer ist eigentlich immer hier“, sagt Toni Feldhoff.

Es haben sich inzwischen viele verschiedene Stücke im Archiv angesammelt. Da sind zum Beispiel die handschriftlichen Aufzeichnungen des Astronomen Robert Luther, der im 19. Jahrhundert von Düsseldorf aus Asteroiden entdeckte. Es gibt originale Dokumente aus alten Haushalten, private Fotosammlungen, Aufzeichnungen aus Vereinen, sogar ganze Lebensgeschichten, die sonst verloren gegangen wären. „Wir wollen engagierten Düsseldorfern eine Gedenkstätte bieten“, sagt Krause. Bald solle auch ein weiterer besonderer Nachlass dazukommen: Erinnerungsstücke aus dem Umfeld der Löwensenf- Dynastie und eine Ausstellung über Frieda Frenzel – ein Stück Düsseldorfer Alltagsgeschichte, das eng mit der Region verbunden ist. Die Fabrik des beliebten Senfes war früher auf der gleichen Straße in Bilk, wie das Archiv.

Die Wurzeln der Bilker Heimatfreunde reichen zurück ins Jahr 1951. Damals gründete Hermann Smeets den Verein. Er war Kaufmann, Widerstandskämpfer, Netzwerker und Ehemann – vor allem aber jemand, der verstanden hatte,

wie schnell Geschichte verschwindet, wenn sie niemand festhält. Seine Idee war einfach und zugleich weitreichend: Bilk sollte sich erinnern können. Dass seit 2024 eine Straße im Stadtteil seinen Namen trägt, zeigt, wie sehr diese Idee geblieben ist und was für eine große Rolle er in dem Viertel eingenommen hat. Das Archiv, wie es heute existiert, entstand 1976 – und wächst seitdem weiter, Stück für Stück. Kürzlich haben die Heimatfreunde eine neue Spende erhalten, ein Holzmodell von einem Ausschnitt des Stadtteiles.

Des Weiteren erscheint alle zwei Monate die Vereinszeitschrift „Sternwarte“. Die Archivmitarbeiter wirken auch daran regelmäßig mit. Sie soll auch ein Aufruf sein: Das Team wünscht sich mehr junge Menschen, die sich einbringen, Fragen stellen, vielleicht selbst anfangen zu sammeln.

Und so ist dieser Ort im Hinterhof mehr als nur ein Archiv. Was das Team verbindet, ist nicht nur das Interesse an Geschichte. Es ist eine spürbare Verbundenheit mit Bilk. Viele sind hier aufgewachsen oder haben einen engen Bezug zum Viertel. Das Archiv ist ein Versprechen: Dass das, was war, nicht verloren geht. „Das geschriebene Wort wird nicht verschwinden“, sagt Hille Krause

Fakten über die Bilker Heimatfreunde

Der Verein Die Bilker Heimatfreunde setzen sich ehrenamtlich für die Pflege von Tradition, Brauchtum und Geschichte im Düsseldorfer Stadtteil Bilk ein. Mehrmals im Jahr bringen sie die Zeitschrift „Die Bilker Sternwarte“ heraus, die über Ereig‐ nisse und Geschichte aus dem Stadtteil berichtet.

INFO

Fakten über die Bilker Heimatfreunde

Der Verein Die Bilker Heimatfreunde setzen sich ehrenamtlich für die Pflege von Tradition, Brauchtum und Geschichte im Düsseldorfer Stadtteil Bilk ein. Mehrmals im Jahr bringen sie die Zeitschrift „Die Bilker Sternwarte“ heraus, die über Ereig‐ nisse und Geschichte aus dem Stadtteil berichtet.

Infos Wer mehr über den Verein und sein eigenes Archiv erfahren möchte, findet Informationen unter www.bilker-heimatfreunde.de.

aus der Rheinischen Post vom10.04.2026

VON AIMEE WINTER  Fotos: Aimee Winter

https://epaper.rp-online.de/titles/rheinischepost/14735/publications/16636/pages/22/articles/249012/23/1