Großes Kino im KAP  – Begeisternder Vortrag von Hille Krause

Gestern Abend erlebte das KAP einen dieser seltenen Momente, in denen alles zusammenpasst: ein gefüllter Saal, gespannte Aufmerksamkeit und ein Vortrag, der das Publikum fesselte.

„Aus den Schätzen des Bilker Heimatarchives“

Zusammenfassung des Vortrags von Frau Krause im KAP

Der Vortrag von Frau Krause beleuchtet eindrucksvoll die bedeutende Geschichte des Düsseldorfer Stadtteils Bilk anhand zentraler Persönlichkeiten, religiöser Stätten und historischer Entwicklungen, die im Bilker Heimatarchiv dokumentiert sind. Dabei wird deutlich, wie stark lokales Engagement, Wissenschaft, Kirche und Bürgersinn die Identität Bilks geprägt haben.

Hermann Smeets – Bewahrer der Bilker Geschichte

Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf Hermann Smeets (1910–1997), einer prägenden Persönlichkeit des Stadtteils.

Er war – Mitbegründer der Antifaschistischen Kampforganisation (AntiFaKo) im Januar 1945 – Vorsitzender des Zehnerkomitees – Gründer des Bilker Heimatvereins (1951) – Initiator der Vereinszeitschrift „Sternwarte“ (1955)   -Mitbegründer der „Paten der Freude“ (1957) – Verantwortlich für den Aufbau des Bilker Heimatarchivs (ab 1958, später Umzug 1971)

Für sein außerordentliches Engagement erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie den Rheinlandtaler. Sein Lebenswerk sicherte die historische Identität Bilks nachhaltig.

Wissenschaftliche Bedeutung: Die Bilker Sternwarte

Ein weiterer zentraler Themenkomplex ist die astronomische Tradition Bilks.

Johann Friedrich Benzenberg

Der bedeutende Naturwissenschaftler wandte sich von der Theologie ab und der Astronomie, Geografie und Meteorologie zu. 1843 gründete er die Sternwarte „Charlottenruh“. 1846 wurde er auf dem Golzheimer Friedhof beigesetzt.

Karl Theodor Robert Luther

Er leitete die Bilker Sternwarte und entdeckte 24 anerkannte Planetoiden.

Alexander Wilhelm Luther

Der Sohn Karl Theodor Robert Luthers promovierte über den Planeten Amalthea, den sein Vater entdeckt hatte, und übernahm später die Sternwarte. Die Familie Luther steht exemplarisch für die wissenschaftliche Bedeutung Bilks im 19. Jahrhundert.

Religiöses Leben und kirchliche Geschichte

Die Loretokapelle entwickelte sich seit 1687 zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Initiiert wurde der Ausbau durch Kurfürst Jan Wellem. Über Jahrzehnte war sie religiöses Zentrum Bilks, bis sie 1893 abgerissen wurde, um Platz für die neue Kirche St. Martin zu schaffen.

Hermann Schönenbusch leitete ab 1799 die Loretokapelle und prägte das religiöse Leben maßgeblich.

Anton Joseph Binterim war Theologe, Historiker und eine herausragende kirchliche Persönlichkeit. Trotz Inhaftierung blieb er ein einflussreicher Gelehrter. Er ist auf dem Alten Bilker Friedhof beigesetzt.

Alt St. Martin – Das älteste Bauwerk Düsseldorfs

Alt St. Martin reicht vermutlich bis ins 8. Jahrhundert zurück und wurde mehrfach zerstört (Sachsen, Normannen, Ungarn).

1858 rettete ein Bilker Komitee das Gebäude vor dem Verfall. Bis heute wird es kontinuierlich restauriert. Zahlreiche archäologische Funde unterstreichen die außergewöhnliche Bedeutung dieses Bauwerks für die Stadtgeschichte Düsseldorfs.

Der Alte Bilker Friedhof – Spiegel der Ortsgeschichte

Der Alter Bilker Friedhof entstand 1805 auf dem ehemaligen Pestfriedhof zwischen Sternwartstraße und Volmerswerther Straße als Begräbnisstätte für die Bilker Bevölkerung.

Rund um das jetzt kleine Hochkreuz (1779–1855) befinden sich noch heute bedeutende Grabstätten, darunter:

Anton Joseph Binterim (1779–1855) – Kaplan Johann Adam Jansen (1829–1865) – Pfarrer Johann Palm (1810–1879) – Pfarrer Dr. theol. Franz Henrichs (1837–1891)

1954 wurden Erinnerungstafeln um die Gräber gelegt – ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung historischer Erinnerungskultur in Bilk.

Weitere bedeutende Persönlichkeiten des Friedhofs:

Joseph Wimmer (1781–1860), Schlossermeister – Johann Joseph Scotti (1787–1866), Herausgeber bedeutender Gesetzessammlungen – Ernst Deger (1809–1885), Vertreter der Düsseldorfer Malerschule

Ferdinand Freiligrath und Familie

Der Dichter Ferdinand Freiligrath (1810–1876), geboren am 17. Juni 1810 in Detmold, besuchte das Gymnasium in Detmold und absolvierte eine kaufmännische Lehre.

1841 heiratete er Ida Melos. Das Paar hatte fünf Kinder (Käthe, Wolfgang, Luise, Otto Georg-Percy; Marie starb früh). Sein Leben war geprägt von intensiver Reisetätigkeit. Er starb am 18. März 1876 in Bad Cannstatt.

Auch sein Sohn Percy Freiligrath (1852–1891) sowie die Schwägerin Maria Melos (1819–1899) sind mit dem Alten Bilker Friedhof verbunden.

Mathieu Neumann – Bedeutender Chorleiter

Mathieu Neumann wurde am 14. April 1867 in Köln geboren.

Er studierte von 1885 bis 1890 am Konservatorium in Köln. 1888 erhielt er den Mendelssohn-Staatspreis in Berlin und wurde Chorleiter in Köln.

1902 wurde seine Chorballade „Sardanapal“ in Anwesenheit von König Eduard VII. aufgeführt. 1904 wurde er Chorleiter des Männerchores Düsseldorf. Konzertreisen führten ihn unter anderem nach Sheffield, New York, Österreich und in die Schweiz.

Er starb am 2. Januar 1928 während einer Chorprobe in der Ludwigsburg an der Berliner Allee

Leo Statz – Opfer der NS-Justiz

Leo Statz wurde am 17. Juli 1898 in Köln geboren.

Nach Schulzeit, Militärdienst im Ersten Weltkrieg (Auszeichnungen u. a. Eisernes Kreuz) und späterem Familienleben geriet er in Konflikt mit dem NS-Regime.

Am 1. September 1943 wurde er verhaftet, vor dem Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Roland Freisler angeklagt und am 1. November 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Görden durch die Guillotine hingerichtet.

Sein Schicksal steht exemplarisch für die politischen Verfolgungen jener Zeit und erweitert die Geschichte Bilks um eine eindringliche Dimension des Widerstands und der Erinnerung.

Der Vortrag macht deutlich, dass Bilk weit mehr ist als ein Düsseldorfer Stadtteil – Bilk bewahrt seine Geschichte nicht nur in Gebäuden und Archiven, sondern vor allem in den Biografien seiner Menschen – von Wissenschaftlern und Geistlichen über Künstler und Lehrer bis hin zu Widerstandskämpfern.